Aus den Augen, aus dem Sinn?

Gedenken am Beispiel lokaler Erinnerungskultur

von Shirin Kossack und Celine Nikelowski

Gedenkstätten in Harsewinkel

Die ältesten Dokumente des Erinnerns an Kriegsgefallene sind drei hölzerne Tafeln, die an die Gefallenen der Befreiungskriege von 1813 bis 1815, der Einigungskriege 1864, 1866 und 1871 sowie des 1. Weltkriegs erinnern.

Gedenktafel für die Gefallenen der Befreiungskriege 1813/1815 im Turm der St.-Lucia-Kirche. – Foto: Stadtarchiv Harsewinkel

Nach dem 1. Weltkrieg wurde vor der Kirche außerdem ein steinernes Denkmal in Gedenken an Gefallene des 1. Weltkriegs errichtet. Es bildete einen Engel ab, der einen gefallenen Soldaten in seinen Armen hielt und ihm den Weg in den Himmel zeigte - im christlichen Glauben ein Zeichen für die Hoffnung auf ein ewiges Leben, was den Trauernden die Zuversicht schenkte, die Gefallenen nach dem Tod wieder zu sehen. Um nach Ende des 2. Weltkriegs auch den in den im Krieg Gefallenen zu gedenken, wurde eine Gedenktafel am unteren Teil des Sockels mit der Aufschrift „Unseren Söhnen zum Gedenken“ angebracht.

Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal aus Anlass des Schützenfestes im Jahr 1962. – Foto: J. H. Jäger (Stadtarchiv Harsewinkel)

Dem Kriegerdenkmal aus den 1920er-Jahren kam in der kleinen Stadt Harsewinkel auch nach Ende des 2. Weltkriegs noch eine große Bedeutung zu. Den Einwohnern war es sehr wichtig, ihr Ehrenmal auf dem Kirchplatz in einem sehenswerten Zustand anzutreffen, um den Gefallenen angemessen gedenken zu können. Daher baten sie bei dem Rat der Gemeinde 1952 um Verbesserung des ungepflegten Denkmals.

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Schreiben des Verbandes der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen, Harsewinkel, an den Gemeinderat von Harsewinkel vom 4. Mai 1951 [Quelle: Stadtarchiv Harsewinkel, Bestand C Nr. 509].

Im Jahre 1965 wurde ein neues Denkmal zum Gedenken der Gefallenen des 2.Weltkriegs an der Münsterstraße seiner Bestimmung übergeben. Die Inschriften „Den Toten der Kriege zum Gedächtnis. Den Leidtragenden zur Tröstung. Den Lebenden zur Mahnung.“ und auf der anderen Seite „Überwindet den Hass, Suchet den Frieden“ klingen gar wie ein deutlicher Aufruf, den herrschenden Frieden zu bewahren, aber auch den Zorn und die Trauer, welche der 2. Weltkrieg ausgelöst hatte, zu überwinden.

Das Denkmal kann hinsichtlich seiner teils erschreckenden Darstellungen als Mahnung dafür gelten, es nie wieder zu solch einem unmenschlichen Krieg kommen zu lassen. Andererseits erinnert das Mahnmal in Ehre an die Verstorbenen und schenkt, aufgrund der symbolhaften Darstellungen der Engel bzw. durch Christus, den Zurückgebliebenen Hoffnung nicht aufzugeben und die erleichternde Vorstellung, dass die Gefallenen Erlösung erhalten

Mahnmal für die Gefallenen der Weltkriege von Hubert Hartmann an der Münsterstraße in Harsewinkel. – Foto: Stadtarchiv Harsewinkel
Die Abbildungen zeigen oben von links nach rechts: Gesamtansicht des Mahnmals, Segnender Christus mit geretteten Seelen [links] und einen Sterbenden tragenden Kameraden [rechts], Abschiedsszene, Betende Frau (Hoffnung), Trauernde Frau (Pieta), Zwangsarbeiter und unten Apokalyptischer Reiter (Tod).

Im Jahr 2005, sechzig Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs, wurden auf Initiative Georg Terlutters neben den alten Erinnerungstafeln der Turmhalle der St.-Lucia-Kirche Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen sowie der Opfer der nationalsozialiastischen Herrschaft aufgehängt. „Man ist erst tot, wenn niemand mehr über einen spricht“ erklärte Georg Terlutter.

Presse

Bericht zum Projekt aus der Glocke vom 14.05.2016
Bericht zum Projekt aus der NW vom 14.05.2016
Bericht zum Projekt aus dem Westfalenblatt vom 14.05.2016

Bericht über die Abschlussveranstaltung aus der Glocke vom 18.07.2016

 

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